Erste Kameraden der Wehr für ein PSU-Team bestellt

PSU-Team bestellt 

Bei der Feuerwehr Espelkamp wurden nach erfolgreicher Ausbildung jetzt die ersten Kameraden für ein so genanntes PSU-Team bestellt. Sascha Tielkemeier nahm die Urkunde zur Bestellung als PSU-Assistent und Nadine Zenkner sowie Frank Hesse die Bestellung zum PSU-Helfer von der Wehrleitung entgegen.

Feuerwehrleute setzen sich Gefahren aus, um Menschen in Not zu helfen. In Extremfällen retten sie Schwerverletzte aus Trümmern, bringen unter Zeitdruck Opfer in Sicherheit oder bergen nur noch Tote. Im Einsatz sehen sie unter Umständen mit an, wie Kameraden, Verwandte oder Freunde zu Schaden kommen. Dies gilt nicht nur für Katastropheneinsätze – jeder Einsatz birgt dieses Risiko. Manchmal sind es auch die Erlebnisse mehrerer Einsätze, die die Seele verletzen. Die Psychosoziale Unterstützung (PSU) hilft den Einsatzkräften deshalb dabei, belastende Eindrücke zu verarbeiten.

Das Aufgabengebiet eines PSU-Teams umfasst neben Einsatznachbesprechungen nach belastenden Einsätzen auch eine Einzelbetreuung oder -beratung der Kameraden in ihrem Arbeitsumfeld.

Das Angebot beschränkt sich allerdings ausdrücklich auf eine qualifizierte Beratung, keine Therapie. Das PSU-Team kann jedoch auf ein Netzwerk von anerkannten Fachleuten zurückgreifen und so in eine weiterführende Betreuung vermitteln.

Bei dem PSU-Team handelt es sich um ein zeitgemäßes, intern und extern wirkendes Spezialteam, das intensiv in den Bereichen Stress und Psychotraumatologie, Kommunikation, soziale Wahrnehmung und Gesprächsführung, Notfallpsychologie, Rechtskunde, Umgang mit Sterben, Tod und Trauer sowie Umgang mit fremden Kulturen geschult wurde. "Der Unterschied zwischen Helfer und Assistent besteht einfach im Umfang der Ausbildung", erklärt der stellvertretende Leiter der Wehr, Jörn Stratmann-Sablotny. Die Helferausbildung ist deutlich kürzer, sie umfasst 20 Stunden. Wer danach Assistent werden möchte, muss weitere Lehrgänge am Institut der Feuerwehr NRW besuchen (120 Stunden). "Die Helfer sind Ansprechpartner in den örtlichen Löschgruppen. Sie sind sozusagen das Sprachrohr zwischen der Löschgruppe und dem oder den PSU-Assistenten", führt er weiter aus. Für die Zukunft sollen weitere PSU-Helfer in der Wehr gewonnen werden.

Dennoch: Auch die Assistenten sind natürlich keine Psychologen. Reichen die Gespräche mit ihnen nicht aus, können sie aber die weiter vermitteln. Ziel ist es, die psychische Gesundheit der Feuerwehrleute zu erhalten und zu verbessern. Und auch die Scheu, sich Hilfe zu holen, nimmt mit einem PSU-Team in den eigenen Reihen ab. Es ist einfacher, sich zunächst einem Kameraden oder Kameradin anzuvertrauen.

Dass auch Feuerwehr- und Rettungskräfte mit dem, was sie bei einem Einsatz erleben, nicht fertig werden, ist heute nur allzu verständlich, war vor vielen Jahren aber überhaupt kein Thema. Heute gehört "PSU" bei der Grundausbildung der ehrenamtlichen Feuerwehrleute dazu. "Vier Stunden umfasst die Unterrichtseinheit, die sich mit dem Thema psychosoziale Unterstützung auseinandersetzt", erklärt Stratmann-Sablotny.