Historisches der Löschgruppe Frotheim

Historie der Löschgruppe Frotheim (Auszug aus der Festschrift zum 50jährigen Jubiläum)

Wußten Sie, daß in Frotheim ein "Steigerturm" stand?...

Wußten Sie, daß Frotheims Feuerwehr zwei Fahrzeuge hatte?...

Nein?.....

Die obigen Fragen sollten Anlaß geben, einen kurzen Blick in die Vergangenheit zu werfen. Die Veteranen der Feuerwehr und die ältere Generation soll an die "alten Zeiten" erinnert und der Jugend ein Einblick in die Vergangenheit gegeben werden.

Bis kurz vor Drucklegung dieser Festzeitschrift war nur das Gründungsjahr 1924, nicht aber der genaue Tag und die genauen Zusammenhänge bekannt. Dann fand man auf der Lübbecker Stadtverwaltung in den vom Amt Gehlenbeck übernommenen Akten unter der Registratur-Nr. 477 die "Akte Feuerwehr ab 1899" mit den Dokumenten über die Gründung verschiedener Freiwilliger Feuerwehren im damaligen Amte Gehlenbeck; darunter auch Unterlagen über die Frotheimer. Was lag näher, als den bereits fertigen Chronik-Bericht nach den "neuesten Erkenntnissen" neu zu fassen.

Wie war das damals eigentlich mit der Gründung von Freiwilligen Feuerwehren, hört man immer wieder als Frage. Etwas sagt darüber der Inhalt der "Akte 477" aus:

In einem Rundschreiben des Regierungspräsidenten vom 3. Februar 1899 heißt es u. a..: "In erster Linie ist auf die Organisation von Freiwilligen Feuerwehren Bezug zu nehmen, ihre Entwicklung ist nach Kräften zu fördern. Neben den Freiwilligen Feuerwehren kommen die Pflichtfeuerwehren in Betracht, als Ergänzung der Freiwilligen Feuerwehr oder als selbständige Organisation der zum Feuerlöschdienste verpflichteten Einwohner eines Bezirkes. Wo derartige Organisationen noch nicht bestehen, soll mit ihrer Bildung vorangegangen werden, soweit die Verhältnisse dies irgend gestatten.

Gruppenfoto (Alt)

Die Pflichtfeuerwehr muß einen unter der Ortspolizeibehörde stehenden Führer erhalten, dem die besondere Leitung der Wehr obliegt und der als Polizeibeamter über die Polizeiverwaltung zu bestellen ist. Besteht am Orte auch eine Freiwillige Feuerwehr, so ist tunlichst der Führer dieser mit jenen Obliegenheiten zu betrauen. Anderenfalls ist der Ortsvorsteher damit zu beauftragen, sofern nicht eine andere besonders hierzu geeignete Persönlichkeit verfügbar ist."

Aus diesem an die Landräte des Regierungsbezirks Minden gerichteten Rundschreiben ist ersichtlich, daß man sich mit einer strafferen Organisation der Feuerwehren näher beschäftigte.

In einem Schreiben des Regierungspräsidenten vom 7. April 1899 an die Ortspolizeibehörden steht u. a.: "Freiwillige Feuerwehren haben wiederholt bei dem Herrn Minister des Inneren die Stiftung eines staatlichen Ehrenzeichens für 25jährige Dienstzeit in der Freiwilligen Feuerwehr n Anregung gebracht. Der Herr Minister steht dem Antrage im Hinblick auf die bevorstehende Organisation des Feuerwehrwesens ablehnend gegenüber."

Zur Feuerwehrtechnik ist in einem Schreiben des Ministers des Innern vom 8. Juni 1909 u. a. zu lesen: "In den erstatteten Berichten hat sich die große Mehrzahl der Herren Oberpräsidenten für die Einführung eines einheitlichen Kuppelstückes bei den preußischen Feuerwehren ausgesprochen. Von den verschiedenen Kupplungsstücken erscheint das Normal-Kuppelstück "Storz 45mm" lichter Durchflußweite nach den bei der Berliner Feuerwehr gemachten Erfahrungen zu einer allgemeinen Verwendung in erster Linie geeignet."

Eine Information über das Feuerlöschwesen zur Zeit vor der Gründung der Freiwilligen Feuerwehr in Frotheim. Aus den Unterlagen ist nicht genau ersichtlich, wann die Frotheimer Pflichtfeuerwehr ihre erste Handdruckspritze bekommen hat. Aus dem Jahre 1911 liegt lediglich von einer Firma eine Anfrage vor, ob man sich bereits wegen dem Kauf einer Spritze entschieden habe. Ende 1921 wird in einer Aktennotiz kurz festgehalten, daß die "alte Spritze" für 1200 Mark verkauft ist.

Grossbrand (Alt)

Das damals Feuerlöschteiche auch "zweckentfremdet" verwendet wurden, geht aus einer schriftlichen Beschwerde aus dem Jahre 1923 hervor: "Der....beklagt sich, das Herr....in den Feuerlöschteich Flachs untergebracht habe. Die Wasserentnahme sei bei Ausbruch eines Brandes sehr beschwerlich. Ich kann diese Ansicht des Herrn... nur teilen und bitte daher veranlassen zu wollen, daß der Flachs, wenn er die Wasserentnahme behindert, umgehend entfernt wird." So das Schreiben des Gehlenbecker Amtmannes an den Frotheimer Vorsteher.

Die Gründung der Freiwilligen Feuerwehr Frotheim stand an. Am 02.07.1924 wurde in einer Versammlung die notwendige Satzung beschlossen. Unter §1 heißt es: "Zweck der Freiwilligen Feuerwehr ist, den Einwohnern von Frotheim und nächster Umgebung bei ausbrechendem Feuer schnell energische Hilfe zu leisten. Auch den weitergelegenen Gemeinden soll Hilfe gebracht werden, sofern dieselben es wünschen und erfolgreiche Hilfe vorauszusehen ist. Doch soll auch bei anderen Gefahren Hilfe geleistet werden."

Als erster Vorstand unterzeichneten dabei:
Hauptmann Karl Albersmeyer
Stellv. Fritz Möller
Schriftführer Heinrich Kracht
Kassierer Fritz Meerhoff
Zeugwart Fritz Lückermann
Spritzmeister Heinrich Picker
Stellv. Fritz Berner

Das nach der Gründung der Wehr auch mit einer Verbesserung des Gerätebestandes begonnen wurde, geht aus einem Schreiben vom 26.02.1925 hervor, wo die Gemeinde für 50 Mark neue Schläuche beschaffte.

Wie man damals die Lebensdauer der Freiwilligen Feuerwehr einschätzte, geht aus einem Schreiben des Frotheimer Vorstehers an das Amt hervor (23.10.1924): "Auch bitte ich doch abzuwarten, ob die neu gegründete Freiwillige Feuerwehr auch wirklich als solche eine lange Lebensdauer behält."

In einem Schreiben von August 1924 macht der Westfälische Feuerwehrverband darauf aufmerksam, daß Steiger- und Übungstürme unerläßlich sind. Hierdurch veranlaßt wurde auch in Frotheim im Jahre 1927 ein Steigerturm gebaut, wofür die Gemeinde 150 Mark als Beihilfe zur Verfügung stellte. In einer Aktennotiz vom 18.03.1927 ist vermerkt, daß das benötigte Holz in Vorbereitung ist. Das Holz wurde von den Feuerwehrmännern bei den örtlichen Bauern gesammelt. Der Turm stand auf einem rund 1000 Meter vom Spritzenhaus entfernten Grundstück an der Diepenauer Straße (jetzt: Hotel Birkenhof). Dieser Turm diente als Steigerturm und als Schlauch-Trockenturm. Ein starker Sturm in den ersten Kriegsjahren ließ den Turm zusammenbrechen; er wurde nicht wieder aufgebaut.

Wann nun in Frotheim die vor der Freiwilligen Feuerwehr bestehenden Pflichtfeuerwehr aufgelöst wurde, steht nicht fest. Ein Schreiben des Vorstehers vom 13.05.1925 an das Amt lautete: " Da hier in Frotheim eine Freiwillige Feuerwehr besteht, erübrigt es sich doch wohl, nebenbei eine Pflichtfeuerwehr hier zu unterhalten. Letzere besteht auch tatsächlich zur Zeit in Frotheim nicht mehr." Nach einem gewissen "Stillstand" muß sie noch einmal aktiv geworden sein. Im Mai 1927 wurden laut Rechnung noch 40 Armbinden an die Pflichtfeuerwehr geliefert. Mit Schreiben vom 11.06.1927 bestätigt die Feuersozietät, daß neben der Freiwilligen Feuerwehr Frotheim mit 31 Mitgliedern auch die Pflichtfeuerwehr Frotheim mit 40 Mitgliedern gemeldet ist. Mit gleichem Schreiben wird sogar die Aufnahme der Pflichtfeuerwehr bestätigt. Dieses sind aber auch die letzten gefundenen Vermerke.

Das bei der Gründung der Freiwilligen Feuerwehr vorhandene Löschfahrzeug war eine von der Pflichtfeuerwehr übernommenen Handdruckspritze, wie sie an einer Stelle dieser Zeitschrift abgebildet und im jetzigen Frotheimer Feuerwehr Gerätehaus noch vorhanden ist; ein noch gut erhaltenes Museumstück, welches in Ehren gehalten wird.

Das damalige Gerätehaus was das "Im Loh" stehende und von der Pflichtfeuerwehr übernommen Spritzenhaus, wie es derzeit genannt wurde.

Spielmannszug

Gleich mit der Gründung der Freiwilligen Feuerwehr wurde im Jahre 1924 auch ein Spielmannszug aufgestellt, der sich in der Bevölkerung eines regen Zuspruches erfreute. Es war der Frotheimer Feuerwehr-Spielmannszug, wie er in weitem Umkreise bekannt war. Erster Leiter und Tambourmajor war Friedrich Eickriede. Unter seiner Leitung bildete der Spielmannszug einen guten Klangkörper. Erst der Beginn des 2. Weltkrieges ließ den Spielmannszug auseinanderfallen.

Jahre später baute man auf dem Grundstück am Steigerturm auch eine Wasser-Zisterne, um für Brände ausreichend Wasser zu haben. Was daraus geworden ist? Zwischenzeitlich ist es Privatgrundstück, wo die Zisterne liegt; sie ist nicht mehr zugänglich, da auf den Einstieg Boden zugefüllt wurde.

Die Motorisierung machte auch vor den Gemeindegrenzen von Frotheim nicht halt. Im Vergleich zu anderen Wehren erhielt die Freiwillige Feuerwehr in Frotheim schon frühzeitig eine "Motorspritze".

Im Jahre 1935 kaufte man einen offenen Mannschaftswagen (LKW), einen 8 Zylinder Horch. In einem zugehörigen Anhänger wurde die Tragkraftspritze TS 8 untergebracht, ebenfalls weitere notwendige Geräte. Dieser LKW mit Hänger war das erste Frotheimer Feuerwehr Fahrzeug.

Die anstehende Frage einer Unterstellmöglichkeit löste man schnell. Im Spritzenhaus "Im Loh" wurde das Feuerwehr Fahrzeug untergestellt. In einem Gebäude des Einwohners Hellmann (Nr. 20) , im Dorfe, welches man der Feuerwehr zur Verfügung stellte, bekam die Handdruckspritze ihren Standort.

Mit dem Kauf des Feuerwehr Fahrzeuges im Jahre 1935 wurde die Freiwillige Feuerwehr Frotheim aufgeteilt in zwei Halbzüge, denen man jeweils eine der beiden Pumpen zur Verfügung stellte. Bis in die Jahre des zweiten Weltkrieges war die Handdruckspritze, die zum zweiten Halbzug gehörte, im Einsatz.

Mit Kriegsende gab es Neuorganisationen bei den heimischen Feuerwehren, so wurden auch die beiden Halbzüge in Frotheim aufgelöst.

Unser alter Horch, wie man das erste Frotheimer Feuerwehr Fahrzeug nannte, wurde im Jahre 1951 verkauft. Als Ersatzfahrzeug kaufte man ein Wehrmachtsfahrzeug (LKW) und baute es zu einer LF 8 um. Hierauf konnte man derzeit schon stolz sein. De Wehr besaß wieder ein voll einsatzfähiges Fahrzeug.

Die Anforderungen, die an die Feuerwehr gestellt wurden, nahmen von Jahr zu Jahr zu. Längst handelte es sich nicht mehr allein um die Bekämpfung von Bränden oder Überschwemmungen. In unserer immer hochtechnisierteren Zeit gab es Katastrophen der verschiedensten Art. Das ist der Tribut, den wird der Technik bringen müssen. Solche Gefahren erfolgreich abwehren zu können, machte auch die Ausrüstung der Feuerwehr mit modernen Geräten, Fahrzeugen und Unterkünften notwendig.

Schon wenige Jahre nach Kriegsende begann diese Entwicklung. Auch in Frotheim wurde dieses erkannt.

Da die beiden benutzten Gerätehäuser nicht mehr den Erfordernissen entsprachen, wurde im Jahre 1953 das jetzige Feuerwehr Gerätehaus gebaut und übernommen. Neben zwei Fahrzeugboxen sind notwendige Geräteräume, sanitäre Räume und ein Unterrichtsraum vorhanden. Weitsichtig war bereits, daß man in dieses Gerätehaus eine Wohnung für den Gerätewart mit einbaute.

Fahrzeuge (Alt)

Im Jahre 1963 wurde der Feuerwehr Fahrzeugpark modernisiert. Der Wehrmachts-LKW (Borgward) wurde verkauft und ein modernes Löschgruppenfahrzeug LF 8 TS (Mercedes) kam. In den Folgejahren wurden zur Ergänzung der Löschgeräte ständig neue Geräte durch die Gemeinde, die der Feuerwehr sehr aufgeschlossen gegenüber stand, angeschafft. Die Freiwillige Feuerwehr Frotheim wurde hierdurch noch einsatzfähiger und schlagkräftiger, zum Wohle der Bürger.

Kurz vor der Gebietsneuordnung wurde der Fahrzeugpark noch um einen Mannschaftswagen (VW-Bully), den ebenfalls die Gemeinde kaufte, erweitert.

Bis zur Gebietsneuordnung zum 1. Januar 1973 war die Freiwillige Feuerwehr Frotheim eine eigenständige Wehr der Gemeinde Frotheim. Verwaltungsaufgaben wurden auf Amtsebene des Amtes Gehlenbeck abgewickelt. Mit Inkrafttreten der Gebietsneuordnung wurde die Freiwillige Feuerwehr Frotheim der Freiwilligen Feuerwehr der Stadt Espelkamp zugeordnet, wodurch sich einige organisatorische Änderungen ergaben. Die jetzige Bezeichnung lautet: Freiwillige Feuerwehr Espelkamp, Löschgruppe Frotheim.

Im Jahre 1985 wurde das LF 8 TS nach 32 jähriger Dienstzeit durch ein neues LF 8 ersetzt. Das alte Fahrzeug wurde allerdings nicht ausgemustert. Es hat noch viele Jahre der Jugendfeuerwehr Espelkamp als Übungsfahrzeug und Transportmöglichkeit zur Verfügung gestanden. Das neue LF 8 tat bis Dezember 2006 seinen Dienst in der Löschgruppe Frotheim. Abermals wurde dieses Fahrzeug anschließend der Jugendfeuerwehr in Espelkamp übergeben, die dieses bis heute nutzt. Genau 1 Jahr, nach Übergabe des LF 8, wurde der Mannschaftswagen (VW-Bully) ausgemustert. Als Ersatz für das Fahrzeug wurde abermals ein VW-Bully beschafft, der aber bis April 2010 als ELW 1 zum Einsatz kam.

Im Dezember 2006 konnte ein neues LF20/16 von der Firma Schlingmann abgeholt werden. Hierzu wurde vorher das Gerätehaus baulich verändert, da dieses Fahrzeug in die vorhandene Fahrzeughalle nicht gepasst hätte. In großer Eigenleistung der Frotheimer Kameraden wurde ein neuer Stellplatz an das Gerätehaus angebaut. Da die Löschgruppe Frotheim bisher nur mit kleinen Löschfahrzeugen auskommen musste, war dieses Fahrzeug ein großer Schritt in Sachen Technik und Komfort. Dieses Fahrzeug war mit modernster Technik für die Brandbekämpfung und Gerätschaften zur Technischen Hilfe ausgestattet. Die offizielle Übergabe erfolgte dann im Juni 2007. Die Löschgruppe veranstaltete hierzu einen Tag der offenen Tür.

Da auch der VW-Bully nach 26 Jahren seinen Dienst für zahlreiche Einsätze und Transporte getan hat und auch technisch nicht mehr dem Stand entsprach, konnte die Löschgruppe im April 2010 dieses Fahrzeug gegen einen neuen MTW der Firma Opel austauschen. Dieses Fahrzeug wurde von der Firma Heinz Meyer in Rehden ausgebaut und hatte eine erweiterte Austattung die zur Einsatzleitung dienen sollte. Ebenso wurde das Fahrzeug für den digital Funk vorbereitet.