Tag der offenen Tür bei der Feuerwache Espelkamp

Eine "ungewöhnliche Feuerwache" feierte einen runden Geburtstag

Mit einem "Tag der offenen Tür" feierte die Feuerwehr Espelkamp gleich mehrere runde Geburtstage: 60 Jahre Zug Mitte, 40 Jahre Feuerwache und 40 Jahre Jugendfeuerwehr. Passend zu diesem Anlass wurde des Weiteren ein neues Einsatzfahrzeug offiziell in Dienst gestellt. Hunderte von Besuchern strömten bei "Bilderbuchwetter" um die die 30 Grad am Sonntag zur Feuerwache.

Die Geschichte der Feuerwehr Espelkamp, oder genauer, des heutigen Löschzuges Mitte ist recht ungewöhnlich. Östlich der Bahnlinie Herford-Bassum, beziehungsweise der alten Bundesstraße B239, befand sich bis zum Ende des 2.Weltkrieges in dem Flurstück "Mittwald" ein Hochwald in dem die Heeresmunitionsanstalt Espelkamp mit über 100 Munitionshallen- und bunkern, gut getarnt, untergebracht war. Westlich der Bahnlinie befand sich hinter einem Waldstück ein Barackenlager für Kriegsgefangene. Nach Kriegsende hatte das Amt Rahden im Juni 1945 ca. 600 Flüchtlinge aus den deutschen Ostgebieten in die mehr als 20 Holzbaracken, die so genannte "Kolonie", eingewiesen. Das war die Keimzelle der späteren Stadt Espelkamp! Die Bewohnerzahl wuchs in der Folgezeit rasant an, sowohl in der "Kolonie", wie auch in der östlichen "Muna". Mit defekten elektrischen Leitungen und mit Holz befeuerten Pampelherden war die Brandgefahr erheblich.

Max SchulzDas war die Stunde für Max Schulz. 1948 gelang es ihm die erste Löschgruppe in Espelkamp-Mittwald zu gründen. Die Mitglieder der ersten Stunde waren: Peter Mansfeld, Rudolf Patzelt, Erhard Berthold, Fritz Stolle, Franz Preisicke, Fritz Steding, Bruno Koslowski, Wolfgang Schöneich, Fritz Pupkulies und Leo Cyron.  Von den damaligen Gründungs-mitgliedern konnte der heute 83jährige Oberbrandmeister Bruno Koslowski bei der Festveranstaltung begrüßt werden.
Primitive Geräte und ein herrenloser Lastwagen (Foto unten), der für die Bedürfnisse des Feuerschutzes umgerüstet wurde, waren die erste Ausrüstung. 1949 wurde die neu gegründete Löschgruppe von der Amtsverwaltung in Rahden als öffentliche Freiwillige Feuerwehr anerkannt. Für den Aufbau der Feuerwehr setzte sich besonders der damalige Gemeindevertreter und spätere erste Stadtdirektor Espelkamps Wilhelm Kern ein.

Ein ausgedienter LKW war der Anfang...

Durch einen staatlichen Zuschuss wurde 1951 eine erhebliche Verbesserung der Ausrüstung vorgenommen. Es konnte ein Löschfahrzeuges LF 16 in Dienst gestellt werden. Als Unterkunft diente eine Muna-Halle am Garagenhof (heute Gubener Straße). In den folgenden Jahren wurde der Fahrzeugpark ständig erweitert und verbessert. So erhielt die Wehr im April 1961 als erste Wehr im damaligen Kreis Lübbecke eine automatische Drehleiter vom  Typ "DL 25". Dieses historische Fahrzeug ist heute im Besitz des "Oldieclub BtFN". Es war am Tag der offenen Tür natürlich an der Feuerwache zu Gast.

Die Gerätehalle der Feuerwehr am „Garagenhof" entsprach Mitte der 1960-er Jahre längst nicht mehr den Erfordernissen und das Gerätehaus der Altgemeinde aus der Zeit des ehemaligen Amtes Rahden lag sogar außerhalb der Stadtgrenze auf Rahdener Gebiet. Ein neues modernes Gerätehaus wurde zentrumsnah südlich der Beuthener Straße gebaut und wurde im September 1968 feierlich eingeweiht. Doch es wurde mehr als nur eine Feuerwehrgerätehaus von 1951 bis 1968neue „Feuerwehrgarage" geschaffen. Der Espelkamper Unternehmer Peter Aumann machte dem damaligen Leiter der Espelkamper Wehr Hauptbrandmeister Max Schulz ein ungewöhnliches Angebot: In einem Teil des neuen Gerätehauses solle man eine Werkstatt einrichten, in der ständig Mitarbeiter aus seinem Betrieb tätig sind. Diese sollten zwar für die Firma Aumann arbeiten und auch von dieser ihren Lohn erhalten, aber rund um die Uhr für Einsätze der Wehr zur Verfügung stehen. Diese Angebot wurde von Stadt und Feuerwehr freudig angenommen und so hatte die (kleine) Stadt Espelkamp eine Freiwillige Feuerwehr mit einer ständig besetzten Feuerwache, wie sie sonst nur große kreisangehörige Städte oder kreisfreie Städte aufweisen können! Die Vorteile sind die erheblich günstigeren Ausrückzeiten der Einsatzfahrzeuge gegenüber der üblichen Alarmierung einer freiwilligen Feuerwehr mittels Sirene oder Meldeempfänger. Eine ständig besetzte Wache mit hauptamtlich Kräften wäre von einer Kommune in der Größenordnung Espelkamps seinerzeit nicht finanzierbar gewesen. Inzwischen ist die so genannte „Aumann-Werkstatt" in ein Nachfolgeunternehmen der Interessengemeinschaft Espelkamper Unternehmen (IGEU) und der Fa. Harting KGaA übergeleitet worden, aber das „Espelkamper Modell" wird nach wie vor mit großem Erfolg praktiziert.  Peter Aumann wurde für sein mehr als 20jähriges Engagement für die Allgemeinheit mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet.

Das Aufgabenspektrum ist sich im Laufe der Jahre immer größer geworden. Stand in der Gründerzeit die Brandbekämpfung im Vordergrund, so wuchs mit der zunehmenden Ansiedlung von Industriebetrieben stetig die Zahl der technischen Einsätze. Die Einsatzzahl der Feuerwehr ist gegenüber den Anfangstagen der Wache um rund das sechsfache gestiegen. Mit der Übergabe des neuen Teleskopmastfahrzeuges wurde die Ausrüstung der Feuerwehr auf den aktuellen Stand gebracht. "Die neueste Technik stellt aber auch hohe Anforderungen an die Wehr", sage Stadtbrandmeister Reiner Hußmann in seiner kurzen Ansprache, und Bürgermeister Vieker führte weiter aus: "Wir haben eine topmotivierte und professionelle Truppe mit modernstem Gerät!"

 

40 Jahre Jugendfeuerwehr Espelkamp

Jugendfeuerwehr Espelkamp 1969Jugendfeuerwehr Espelkamp 2009

Am 2.Februar 1969 wurde die heutige Jugendfeuerwehr Espelkamp gegründet - als erste im damaligen Kreis Lübbecke. Ging es anfangs inhaltlich ausschließlich um das Thema "Feuerwehr" , so hat sie sich inzwischen zu einer modernen Jugendgruppe weiter entwickelt. Mittlerweile betragen etwa zwei Drittel der Aktivitäten Zeltlager, Fahrten oder Wanderungen. Der Zulauf ist auch nach vierzig Jahren ungebrochen gut. Heute wird die Jugendfeuerwehr von Hauptbrandmeister Hans-Detlef Klug geleitet.
1952 wurde übrigens schon einmal eine Jugendgruppe gegründet. Diese ist mit der Übernahme der Mitglieder in die aktive Wehr im Jahre 1955 wieder aufgelöst worden. In alten Feuerwehrdokumenten ist dazu nachzulesen "Es hat sich gezeigt, dass erst nach Abschluss der Berufsausbildung eine systematische Feuerwehrausbildung sinnvoll ist.". Der Schreiber irrte sich...

Nachfolgend einige Schnappschüsse vom Tag der offenen Tür:

 
      
       
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