Chemiewolke über Lackfabrik

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Datum: 11.August 2004    11 Uhr 18
Einsatzstichwort: Gefahrgut-Einsatz
Eingesetzte Einheiten: FF Espelkamp, BF/FF Minden, FF Rahden, RD Kreis Minden-Lübbecke, DRK Espelkamp
Fahrzeuge: Tro-TLF 16 Mitte, RW 2 Mitte, TLF 24/50 Mitte, DLK 23/12 Mitte, LKW 2,8t Mitte, LF 8 Mitte, MTF Mitte, LF 16 TS Mitte, ELW 1 Mitte, FWA Rettungszelt, LF 8 Frotheim, ELW 1 Frotheim, LF 8 Isenstedt, RW 1 Isenstedt, LF 16/12 Fabbenstedt, MTF Fabbenstedt, LF 16  Gestringen (in Bereitstellung an Feuerwache), LF 8/6 Vehlage,
GWG Feuerwehr Minden, GW-Mess Feuerwehr Minden,
NAW RW Rahden, KTW RW Rahden, RTW RW Lübbecke, RTW BF Minden, KTW DRK Espelkamp, PKW-LNA, PKW-OrgL
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In den Mittagsstunden kam es zu einem Gefahrgutunfall in einer Lackfabrik im Industriegebiet Nord in Espelkamp. Fünf Mitarbeiter wurden durch Reizgase verletzt und mussten stationär im Krankenhaus behandelt werden.

Um 11 Uhr 18 meldeten Mitarbeiter des Lackchemieunternehmens über Notruf den Austritt von Dämpfen bei der Herstellung eines Chemiepräparates und dass dabei ein Mitarbeiter verletzt wurde.
Die alarmierte Feuerwehr Espelkamp stellte bei der ersten Erkundung am Einsatzort fest, dass aus nicht bekannten Gründen durch eine chemische Reaktion eine starke Qualm/Gaswolke in einem Rührwerk in der Produktionshalle entstand. Da die Gefahr (Explosionsgefahr? Gesundheitsgefahr?), die von der Wolke ausging, zu diesem Zeitpunkt nicht einzuschätzen war, wurden die im Industriegebiet angrenzenden Firmen vorsorglich informiert und gebeten, Türen und Fenster zu schließen. Die Warnhinweise wurden auch in den örtlich zu empfangenden Radiosendern ausgestrahlt. Gleichzeitig wurde der Straßenabschnitt "In der Tütenbeke" im Einsatzraum durch die Polizei gesperrt.

Die Leitstelle löste in Absprache mit dem Einsatzleiter Feuerwehr "MANV*-Alarm Stufe 1" (<9 Verletzte/Erkrankte) aus. Der Alarmplan sieht die Alarmierung weiterer Rettungsmittel und Führungskräfte (LNA/OrgL) vor.
 
Die weitere Erkundung ergab, dass die Wärmeentwicklung während oder nach dem Mahlen dreier grobkörniger Rohstoffe in einem Reaktionsgefäß entstand. Die Stoffe sollten routinemäßig zu einem Klebstoff für Gummiförderbänder verarbeitet werden. Die Ursache dieser Wärmeentwicklung war nicht bekannt.
Durch permanentes äußerliches Kühlen des Gefäßes mit Wasser konnte verhindert werden, dass sich weiterer Qualm entwickelte. Da die Gefährlichkeit der Wolke noch nicht endgültig feststand, entschloss sich die Einsatzleitung, einen TUIS-Fachberater** hinzuzuziehen. Ein Spezialist der BAYER AG Leverkusen wurde mit einem Hubschrauber zum Einsatzort geflogen. Gegen 15 Uhr traf er in Espelkamp ein.

Mit massiver Kühlung wurde der Reaktionsprozess gestoppt. Es wurde dabei 129m³ "Löschwasser" verbraucht. Gegen 16 Uhr 35 konnte durch den Einsatzleiter der Feuerwehr die Warnung der Bevölkerung zurückgenommen werden. Der hinzu gerufene Sachverständige der BAYER AG Leverkusen schloss eine weitere mögliche Gefährdung aus.

Zwischenzeitlich wurde der verletzte Mitarbeiter, der den Erstkontakt mit dem Gasgemisch hatte, mit Reizungen der oberen Atemwege zur weiteren Behandlung ins Rahdener Krankenhaus gebracht. Vier weitere Mitarbeiter zeigten ähnliche Symptome und wurden in die Krankenhäuser nach Lübbecke und Rahden transportiert. Ein Leitender Notarzt (LNA), eine Notärztin sowie weitere RD-Kräfte versorgten Verletzte und Betroffene am Einsatzort. Insgesamt wurden 24 Personen gesichtet.

Um etwa 19 Uhr konnte der Einsatz abgeschlossen werden.
Im Einsatz waren rund 85 Feuerwehrkräfte, ca. 30 Beamte der Kreispolizeibehörde Minden-Lübbecke sowie ca. 15 Rettungs- bzw. Sanitätsdienstkräfte. 

*)  MANV = Massenanfall von Notfallpatienten oder Verletzten
**) TUIS =Transport-Unfall-Informations- und Hilfeleistungssystem
 


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Bereitstellungsraum der Feuerwehrfahrzeuge Kontrolle des Reaktionsgefäßes Kühlung des Reaktionsgefäßes
Die Einsatzstelle 30 Polizeibeamte waren am Einsatz beteiligt Eintreffen des Sachverständigen der Bayer-Chemie
Bereitstellungsraum Rettungsdienst Blick auf Rettungszelt und Einsatzleitung Vollsperrung der Fritz-Souchon-Straße