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In den Mittagsstunden kam es zu einem Gefahrgutunfall in einer
Lackfabrik im Industriegebiet Nord in Espelkamp. Fünf Mitarbeiter wurden
durch Reizgase verletzt und mussten stationär im Krankenhaus behandelt
werden.
Um 11 Uhr 18 meldeten Mitarbeiter des
Lackchemieunternehmens über Notruf den Austritt von Dämpfen bei der Herstellung eines
Chemiepräparates und dass dabei ein Mitarbeiter verletzt wurde.
Die alarmierte
Feuerwehr Espelkamp stellte bei der ersten Erkundung am Einsatzort fest,
dass aus nicht bekannten Gründen durch eine chemische Reaktion eine
starke Qualm/Gaswolke in einem Rührwerk in der Produktionshalle entstand. Da die
Gefahr (Explosionsgefahr? Gesundheitsgefahr?), die von der Wolke ausging,
zu diesem Zeitpunkt nicht einzuschätzen war, wurden die im Industriegebiet angrenzenden
Firmen vorsorglich informiert und gebeten, Türen und Fenster zu
schließen. Die Warnhinweise wurden auch in den örtlich zu empfangenden Radiosendern ausgestrahlt. Gleichzeitig wurde der
Straßenabschnitt "In der Tütenbeke" im Einsatzraum durch die
Polizei gesperrt.
Die Leitstelle löste in Absprache mit dem Einsatzleiter Feuerwehr
"MANV*-Alarm Stufe 1" (<9 Verletzte/Erkrankte) aus. Der
Alarmplan sieht die Alarmierung weiterer Rettungsmittel und
Führungskräfte (LNA/OrgL) vor.
Die weitere Erkundung ergab, dass die
Wärmeentwicklung während oder nach dem Mahlen dreier grobkörniger
Rohstoffe
in einem Reaktionsgefäß entstand. Die Stoffe sollten routinemäßig zu einem Klebstoff für Gummiförderbänder verarbeitet
werden. Die Ursache dieser Wärmeentwicklung war nicht bekannt.
Durch permanentes äußerliches
Kühlen des Gefäßes mit Wasser konnte verhindert werden, dass sich
weiterer Qualm entwickelte. Da die Gefährlichkeit der Wolke noch nicht
endgültig feststand, entschloss sich die Einsatzleitung, einen
TUIS-Fachberater** hinzuzuziehen. Ein Spezialist der BAYER AG Leverkusen
wurde mit einem Hubschrauber zum Einsatzort geflogen. Gegen 15 Uhr
traf er in Espelkamp ein.
Mit massiver Kühlung wurde der Reaktionsprozess gestoppt. Es wurde
dabei 129m³ "Löschwasser" verbraucht. Gegen 16 Uhr 35 konnte durch den Einsatzleiter der Feuerwehr die Warnung
der Bevölkerung zurückgenommen werden. Der hinzu gerufene
Sachverständige der BAYER AG Leverkusen schloss eine weitere mögliche
Gefährdung aus.
Zwischenzeitlich wurde der verletzte Mitarbeiter, der den Erstkontakt mit dem
Gasgemisch hatte, mit Reizungen der oberen Atemwege zur weiteren
Behandlung
ins Rahdener Krankenhaus gebracht. Vier weitere Mitarbeiter zeigten ähnliche
Symptome und wurden in die Krankenhäuser
nach Lübbecke und Rahden transportiert. Ein Leitender Notarzt (LNA),
eine Notärztin sowie weitere RD-Kräfte versorgten Verletzte und
Betroffene am Einsatzort. Insgesamt wurden 24 Personen gesichtet.
Um etwa 19 Uhr konnte der Einsatz abgeschlossen werden.
Im Einsatz waren rund 85 Feuerwehrkräfte, ca. 30 Beamte der
Kreispolizeibehörde Minden-Lübbecke sowie ca. 15 Rettungs- bzw.
Sanitätsdienstkräfte.
*) MANV = Massenanfall von Notfallpatienten oder
Verletzten
**) TUIS =Transport-Unfall-Informations- und Hilfeleistungssystem
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